kfz-betrieb - Artikel vom 06.07.2026 (Wolfgang Michel)
Jede Übernahme und Marke muss zu uns passen!
kfz-betrieb - Artikel vom 06.07.2026 (Wolfgang Michel)
Trotz aller Unwägbarkeiten investieren Helmut und Andreas Peter weiterhin kräftig in ihr Familienunternehmen. Wachsen möchte die Autohaus-Peter-Gruppe sowohl im Vertrieb als auch im Service � mit zusätzlichen Standorten sowie bestehenden und neuen Fabrikaten.
Redaktion: 2023 haben Sie in Erfurt ein äußerst repräsentatives Autohaus für Stellantis-Marken eröffnet. Der Neubau war ihnen seinerzeit 15 Millionen Euro wert. Würden Sie heute immer noch so viel Geld für Opel, Jeep, Peugeot und Citroën investieren und wenn ja, warum?
Andreas Peter: Dass wir so viel Geld in die Hand nehmen, zeigt, dass die Marken aus dem Stellantis-Konzern für uns einen sehr hohen Stellenwert haben. Aber in Erfurt geht es nicht nur um Automarken.
Sondern?
Helmut Peter: Für uns ist der Erfurter Standort ein ganzheitliches Dienstleistungszentrum rund um die Automobilität in bester Lage. Neben dem Neu- und Gebrauchtwagenverkauf sowie dem klassischen Servicegeschäft spielt das Unfallgeschäft eine ausgesprochen wichtige Rolle. Und im September eröffnet die Dekra ihre neue Niederlassung auf unserem Gelände. Von der Hauptuntersuchung bis zur Führerscheinprüfung � die Sachverständigen-Organisation bietet ihr komplettes Angebotsspektrum direkt neben unserem Autohaus an.
Suzuki haben Sie gar nicht erwähnt.
Andreas Peter: Gut, dass Sie mich daran erinnern. Suzuki hat hier nicht nur einen eigenen Ausstellungsraum. Wir sind auch sehr froh darüber, diese Marke in unserem Portfolio zu haben. Für mich ist es die unkomplizierteste Marke in unserer Autohausgruppe. Hier geht es nicht um neue Fliesen oder eine die Marge beeinflussende E-Auto-Quote. Suzuki lässt uns in Ruhe Autos verkaufen. Das tun wir sehr erfolgreich und mit viel Freude.
Was bereitet Ihnen gerade weniger Freude?
Andreas Peter: Wir hoffen, dass sich bei den Stellantis-Marken so manches noch zum Positiven wendet. Wir benötigen bessere Erträge im Neuwagengeschäft. Früher haben wir beispielsweise mit der Marke Jeep gutes Geld verdient. Heute gibt es hier nur noch zwei Modelle, die sich kaum von Opel oder Peugeot unterscheiden.
Wie viele Autos werden Sie voraussichtlich am Standort in Erfurt vermarkten?
Andreas Peter: Inklusive Flotten- und Behördengeschäft werden wir rund 2.000 neue Autos verkaufen. Hinzu kommen rund 1.000 Gebrauchtwagen.
Wie viele Werkstattdurchläufe haben Sie täglich in Erfurt?
Andreas Peter: Rund 60. Derzeit brauchen wir keine Werbung zu machen. Unser Service läuft auf Hochtouren. Wir würden gerne noch einige Werkstattmitarbeitende einstellen und rekrutieren aktuell aktiv.
Würde auch der Senior-Chef noch mal so viel Geld in Erfurt investieren?
Helmut Peter: Jederzeit würde ich in einen solchen Standort wieder viele Millionen investieren. Wir haben in Erfurt nicht nur ein Fünf-Sterne-Autohaus für die Stellantis-Marken gebaut, sondern ebenso den ADAC-Abschleppdienst übernommen. Mittlerweile schleppen wir im Auftrag des ADAC in vier Landkreisen ab.
Lohnt sich das?
Helmut Peter: Das ist nicht nur eine zusätzliche Einnahmequelle für unser Servicegeschäft, es liefert auch viele Impulse für den Vertrieb. Für mich gilt auch hier mein seit vielen Jahren benutzter Grundsatz: Geschäfte werden von Menschen gemacht.
Wie meinen Sie das?
Helmut Peter: Fast jeder Kontakt hat seinen Wert. Wir sind mittlerweile in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordhessen präsent. Von der A4 bis zur A7 von Halle bis Göttingen agieren wir auf rund 200 Kilometern als alleiniger Stellantis-Händler. Das hat viele Ursachen und ebenso viele Wirkungen.
Mit dem Zukauf des Autohauses Heidenreich (Hessen) erweiterte die Peter-Gruppe 2024 bereits ihr Markenportfolio. Durch die Übernahme der Autohausgruppe Mundt (Sachsen-Anhalt) kam Anfang 2026 noch eine weitere Marke neu hinzu. Bleiben alle neuen Fabrikate an Bord?
Andreas Peter: Mit dem Autohaus Heidenreich haben wir die für uns neuen Marken Fiat und Hyundai übernommen. Von der koreanischen Marke haben wir uns getrennt. Fiat gehört zu Stellantis, die Marke bleibt definitiv an Bord. Sie könnte künftig innerhalb unserer Standorte noch eine größere Rolle einnehmen. Die für uns neue Marke Subaru behalten wir ebenfalls, weil sie Teil von Emil Frey ist und wir seit Langem Mitsubishi-Partner sind.
Zum 1. Juli haben Sie das insolvente Autohaus Schorr übernommen. Wie geht es hier weiter?
Andreas Peter: Auch an diesen Standorten trennen wir uns von Hyundai. Bei den ehemaligen Schnorr-Standorten werden wir allerdings weitere Stellantis-Marken wie Citroën oder Fiat einführen.
Stichwort Fiat: Wäre die Nutzfahrzeugsparte Fiat Professional noch ein passendes Geschäftsfeld?
Andreas Peter: Am Standort in Eschwege haben wir Pkw und Nutzfahrzeuge von Fiat. Und da die Transporter-Baureihen aus dem Stellantis-Konzern abgesehen vom Marken-Emblem alle gleich sind, bietet sich natürlich auch Fiat Professional an.
Ihr Unternehmen zählt zu den 100 größten Autohändlern Deutschlands. Sind die großen Autohausgruppen zu permanentem Wachstum verpflichtet, damit sie eine Zukunft haben?
Andreas Peter: Auch wenn es hart klingt: Die Großen übernehmen die Kleinen. Jedoch werden auch die Großen nicht jeden Betrieb auf dem Land übernehmen. Wir überlegen sehr genau, welches Unternehmen zu uns passt. Eine entscheidende Rolle spielen Standorte und Markenportfolios. Zudem schließen wir auch mal übernommene Standorte, wie das jüngste Beispiel Schnorr zeigt. Den Erfurter Opel-Standort schließen wir, da wir bereits mit unserem eigenen Stellantis-Haus dort im Markt sehr präsent sind.
Helmut Peter: Unser Unternehmen ist in den vergangenen 35 Jahren stetig gewachsen. Viele Marktbegleiter sind in dieser Zeit vom Markt verschwunden. Zu hohe Investitionen und fehlende Nachfolge sind die wesentlichen Gründe hierfür. Hinzu kommen die Vorgaben der Autohersteller. Beispiel Skoda: Hier gibt es eine klare Aussage � der Importeur will mehr Autos verkaufen. Stückzahlen und damit Wachstum garantieren in allererster Linie die großen Autohändler Deutschlands. Allerdings muss jede Übernahme in unseren strategischen Wachstumsplan passen. Dafür gibt es von uns die Sicherheit, dass wir unsere Standorte nicht verlassen. Wenn wir beispielsweise nicht seit zehn Jahren in Sachsen-Anhalt aktiv wären, dann hätten wir die Autohäuser in Halle (an der Saale) mit den Stellantis-Marken nicht übernommen.
Fakt ist, dass es in keinem Geschäftsfeld mehr großes Wachstum gibt. Hinzu kommt, dass der gesamte Umsatzkuchen durch den Markteintritt neuer Autohersteller eine andere Verteilung erfährt. An welchen Stellschrauben muss ein Familienunternehmen drehen, damit es auch weiterhin im Spiel bleibt?
Helmut Peter: Das Wichtigste ist, dass die Nachfolge geregelt ist. Ich habe seit vielen Jahren das große Glück, meinen Sohn an meiner Seite zu haben. Heute hat er das richtige Alter, um unseren Wachstumspfad erfolgreich weiterzugehen. Ebenso stolz bin ich auf unsere erweiterte Geschäftsführung: Christina Dost und Alexander Kästner führen die beiden großen Markenwelten Mercedes-Benz und Stellantis. Hinzu kommt, dass die allermeisten langjährigen Führungskräfte noch mindestens die nächsten zehn Jahre an Bord sind.
Würden Sie die Autohaus-Peter-Gruppe verkaufen, wenn ein großer Player ein attraktives Angebot macht?
Helmut Peter: Solang ich die Beine hier unter den Tisch stelle, wird nichts verkauft. Ganz egal, wie hoch das Preisangebot ist.
Andreas Peter: Sowohl die handelnden Personen als auch das Unternehmen müssen gesund bleiben. Solange es so ist, kann ich mir einen Verkauf auch nicht vorstellen. Für mich stellt sich heute vielmehr die Frage, mit welchen Marken wir in den kommenden Jahren noch weiteres Wachstum erzielen.
Welches Fabrikat fällt Ihnen diesbezüglich als Erstes ein?
Andreas Peter: Skoda. Wenn wir hier in den nächsten fünf Jahren nicht spürbar wachsen, verlieren wir diese Marke.
Das ist eine passende Überleitung zu Mercedes-Benz. Vor rund 20 Jahren gab es noch weit über 200 Mercedes-Händler in Deutschland. Heute sind es deutlich unter 100. Ist die Peter-Gruppe beim Stern gesetzt?
Andreas Peter: Ich habe keine Glaskugel und kann keinerlei Prognosen auf die kommenden zehn bis zwanzig Jahre abgeben. Am Ende liegt das nicht in unserer Macht. Sollte irgendwann eine Kündigung kommen, müssten wir überlegen, wie wir damit umgehen. Das gilt aber auch für jede andere Marke. 2009 ist Opel der Pleite knapp entgangen. Stellantis hat die Marke vor wenigen Wochen zur regionalen Marke erklärt. Wer weiß schon, wie es mit dem Blitz wirklich weitergeht.
Kommen wir vom Opel-Blitz wieder zum Mercedes-Stern. Mit dieser Marke sind Sie vor über 35 Jahren in die Selbstständigkeit gestartet. Welche Rolle spielt der Stern heute und in Zukunft für die Peter-Gruppe?
Helmut Peter: Ohne Mercedes-Benz wären wir nicht da, wo wir heute sind. Zudem hätten wir uns manche andere Marken gar nicht leisten können. Als Mehrmarkenhändler sind wir aufgrund unserer Unternehmensgröße heute rentabler unterwegs als in den Anfängen als reiner Mercedes-Partner.
Warum?
Helmut Peter: Weil auch für uns gilt, dass im Einkauf der Gewinn liegt. Heute können wir ganz anders mit unseren Lieferanten und Dienstleistern verhandeln. Für alle sind wir ein interessanter und wichtiger Partner.
Interessiert sich die Peter-Gruppe auch für chinesische Automarken?
Helmut Peter: Ganz egal aus welchem Land ein Autohersteller auch kommt, aktuell wollen wir keine Marken außerhalb unseres bestehenden Portfolios. Wir sind nicht bereit, weitere Abenteuer einzugehen und mit einer Marke bei null zu starten. Eventuell kommen durch weitere Übernahmen in unseren angrenzenden Gebieten perspektivisch noch die ein oder andere Marke dazu. Aber wie immer gilt, dass es passen muss.
Kommen wir noch einmal zurück zum Stern. Wie erfolgreich ist das Geschäft mit Mercedes-Benz in der Peter-Gruppe?
Christina Dost: Durch das Agenturmodell sind wir heute deutlich liquider aufgestellt, als es in der Vergangenheit der Fall war. Heute müssen wir unsere elf Mercedes-Benz-Standorte nicht mehr mit eigenen Vorführwagen und Mobilitäts-Ersatzfahrzeugen ausstatten. Auch ist der Intrabrand-Wettbewerb verschwunden. Die Kunden können bei keinem Händler mehr um den Preis für den baugleichen Neuwagen feilschen. Das gilt für Einzelkunden ebenso wie für Flottenkunden.
Sind die Verkäuferinnen und Verkäufer ebenso zufrieden?
Christina Dost: Bis alles eingespielt war, hat es ein gutes halbes Jahr gedauert. Aber mittlerweile ist jede und jeder im Thema, und es läuft wirklich gut im aktuellen Vertriebsmodell, wenn auch mit systemseitig kleinen Abzügen in der B-Note. Aber daran arbeitet MBD mit Hochdruck.
Würden Sie sich noch mehr Mercedes-Betriebe wünschen?
Christina Dost: Grundsätzlich sehen wir weiteres Potenzial im Mercedes-Benz-Geschäft. Wenn eine Erweiterung in angrenzenden Regionen möglich ist, würden wir diese selbstverständlich ansehen. Wachstum ist für uns jedoch kein Selbstzweck � es muss immer einen Mehrwert für unsere Kunden, unsere Mitarbeitenden und die Marke haben.
Die Interview-Partner
Helmut Peter (68)
Inhaber und Geschäftsführer der Autohaus-Peter-Gruppe
seit Juli 2014: Vorstandsvorsitzender der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kraftfahrzeuggewerbe (BFC)
seit 1990: Autohaus-Unternehmer
Andreas Peter (47)
Seit 2005: Geschäftsführer der Autohaus-Peter-Gruppe
Assistent der Verkaufs- und schließlich der Geschäftsleitung bei Taunus Auto
kaufmännische Lehre, Junior-Nachwuchsprogramm für Verkäufer von Mercedes-Benz, Praktikum bei der damaligen Daimler-Chrysler Vertriebsorganisation Deutschland
Christina Dost
Geschäftsführerin aller Mercedes-Benz-Betriebe der Autohaus-Peter-Gruppe
seit 2017 Centerleiterin der vier sachsen-anhaltischen Mercedes-Benz-Betriebe
seit 14 Jahren im Unternehmen tätig